Archilyse fragt: Wie kann die Immobilienbranche Sars-Cov-2 die Stirn bieten?

Interview mit Markus Stadler, Mitbegründer und COO von PriceHubble

Markus Stadler, Mitbegründer und COO von PriceHubble, spricht darüber, wie sein Unternehmen durch die Coronakrise ausgelöste Marktverschiebungstendenzen in der Immobilienbranche erkannt hat. Und er erzählt uns, wie PriceHubble mit der aktuellen Situation umgeht und was er und sein Team bereits daraus lernen konnten.

In der Interviewreihe „Standing up to Sars-Cov-2“ stellen wir Persönlichkeiten aus der Immobilienbranche vor. Wir wollen den Austausch fördern und alle Akteure der Immobilienbranche ermutigen, in dieser herausfordernden Zeit stark zu bleiben und zusammenzustehen.

1. Auf welche Weise waren und sind Sie als Unternehmen vom Sars-Cov-2 Ausbruch am stärksten betroffen (Auftragsrückgang, Einstellung des Betriebs etc.)?

PriceHubble bietet digitale Lösungen für die Immobilienbranche und ist spezialisiert auf die Bewertung von Wohnimmobilien (Kauf- und Mietpreise) sowie die Nutzung von Markt und Standortinformationen für Entscheidungsprozesse.
Nach dem Sars-Cov-2 Ausbruch haben wir festgestellt, dass der Informationsbedarf der Bevölkerung zu Fragestellung rund um die Immobilie (wie z.B. Werthaltigkeit, wie entwickelt sich der Markt, etc.) gestiegen ist. Wir sehen aus diesem Grund eine steigende Nachfrage unserer B2B Kunden nach webbasierten PriceHubble Produkten, aber auch eine erhöhte Nachfrage nach Analysen, die Sicherheit und faktenbasierte Grundlagen zum öffentlichen Diskurs beitragen. Dieser Trend gilt für alle unsere Standorte (Schweiz, Deutschland, Frankreich, Österreich und Japan).

Sub-optimal ist aus unserer Sicht die Absage aller (physischen) Events und Messen, da wir diese Veranstaltungen sehr schätzen um unser Produkt neuen Kunden vorzustellen. Digitale Formate testen wir derzeit und sammeln Erfahrung damit.

2. Welche Massnahmen (technische, organisatorische, kundenspezifische) wurden in Ihrem Unternehmen ergriffen? Welche Tipps können Sie anderen aufgrund der damit gemachten Erfahrungen geben?

Wir arbeiten alle reibungslos aus dem Home Office. Wir arbeiten schon immer digital und dezentralisiert, daher sind die Prozesse bestens eingespielt. 

Wichtig ist dabei z.B. eine gute schriftliche Dokumentation über Entscheidungen und Arbeitsfortschritte zu haben (z.B. in der Produktentwicklung und im Vertrieb). Frühzeitig haben wir in allen ländern unsere Kunden darüber informiert, dass PriceHubble auch in diesen Zeiten vollständig aktiv ist.

3. Welche Herangehensweise hatten Sie? Haben Sie z. B. in unterschiedlichen Szenarien oder Zeithorizonten gedacht? Welche Informationsquellen oder methodischen Ansätze haben Sie gewählt?

Wir halten uns je nach Standort an die länderspezifischen Vorgaben – insbesondere bei der Aufhebung der Lockdown Massnahmen gehen wir dort mit Bedacht vor und wählen einen stufenweisen Ansatz um den 100% Anteil an Home Office zu reduzieren. Wir werden hier aber sicher nicht überhastet vorgehen. Von Vorteil ist sicherlich, dass wir per se flexibel agieren können.

4. Wo liegen für Sie nun die grössten Herausforderungen respektive Bedrohungen in der aktuellen Situation? Wie gehen Sie mit diesen um?

Auf einer persönlichen Ebene stellt eine solche Situation für jeden Mitarbeiter natürlich eine Belastungssituation dar, bei der viele Fragen aufkommen. Wir reagieren hier in einer sehr offenen und transparenten Art und Weise durch vielseitige kommunikative Massnahmen. Dadurch sind auch spannende Innovationen in der Teamkommunikation aufgekommen, etwa länderübergreifende Coffee-Chats – der Austausch über Teams hinweg hat sich dadurch eher intensiviert und verbessert.

5. Ihr Unternehmen ist auf Immobilienmarkt-Analysen spezialisiert. Mit den neuesten Daten erkennen Sie bereits frühe Marktverschiebungstendenzen?

Durch unsere Analysemethoden und unseren Zugang zu aktuellen Immobilienmarkt-Daten konnten wir bereits kurz nach dem Lockdown Marktindikatoren definieren und analysieren. Wir prüfen z.B. laufend wie sich die Anzahl an Immobilienangebote oder deren Preis entwickelt.

Einen Monat nach Lockdown ist bei  Miet- sowie Verkaufsangeboten auf Online-Plattformen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Unsicherheit und erschwerte Vermarktungssituationen dürften hierfür die Gründe sein. Lösungen wie jene von PriceHubble, die digital einsetzbar sind, können für z.B. Makler in dieser Situation besonders hilfreich sein. Die Preise sind noch stabil, wir rechnen jedoch mit einem wahrnehmbaren Effekt. 

6. Reisen wir in die Vergangenheit vor der Krise – Welche Tipps würden Sie sich aus heutiger Sicht selbst geben?

Weiter auf die eigenen Stärken und Produkte  vertrauen – ein tolles Team macht vieles möglich. Ob Krisenzeiten oder sonstige Dynamiken – der Erfolg beginnt bei den Mitarbeitern und diese Haltung  schlägt sich in marktrelevanten Lösungen nieder.

7. Reisen wir in die Zukunft und denken wir uns in den April 2021 – Was wird sich durch diese Krise nachhaltig verändert haben?

Zunächst hoffen wir dass in einem Jahr wieder eine gewisse (oder neue) Normalität herrscht. 

Wir haben einen sehr dynamischen Produktentwicklungsprozess der uns erlaubt, schnell auf sich möglicherweise ändernde Anforderungen einzugehen und diese umzusetzen. An dieser Aufgabe werden wir als Unternehmen weiter wachsen.

Wer eine Krise als Team erfolgreich gemeinsam übersteht entwickelt aus unserer Sicht ein noch stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl – wir bauen auf dieser Dynamik auf.

8. Wie bereiten Sie sich aktuell auf die Zeit nach Corona vor? Gibt es Massnahmen, die Sie aktuell schon ergreifen?

Trotzt der Krise sind wir auf einem Wachstumspfad, entsprechend planen wir in Szenarien. Im besten Fall werden wir weitere Märkte erobern und  die besten Talente im Bereich maschinellem Lernen und Data Science rekrutieren und unsere Produkte stetig verfeinern. Denn: Nach der Krise ist vor der Krise.

Herzlichen Dank, Markus Stadler, für die interessanten Einblicke!

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