Archilyse fragt: Wie kann die Immobilienbranche Sars-Cov-2 die Stirn bieten?

Interview mit Patrick Schmid, Geschäftsführer bei ImmoSparrow

Im heutigen Interview sprechen wir mit Patrick Schmid, Geschäftsführer bei ImmoSparrow, über sein Unternehmen und wie er mit Corona-Krise umgeht. ImmoSparrow entwickelt Software und gewinnt Daten, um Immobilienbesitzern die umfassendsten Informationen zu Ihren Objekten zu liefern.

In der Interviewreihe „Standing up to Sars-Cov-2“ stellen wir Persönlichkeiten aus der Immobilienbranche vor. Wir wollen den Austausch fördern und alle Akteure der Immobilienbranche ermutigen, in dieser herausfordernden Zeit stark zu bleiben und zusammenzustehen.

1. Auf welche Weise waren und sind Sie als Unternehmen vom Sars-Cov-2 Ausbruch am stärksten betroffen (Auftragsrückgang, Einstellung des Betriebs etc.)?

Als Jungnternehmen mit Fokus auf Software-Entwicklung und Data Science konnte ein Grossteil unseres 25-köpfigen Teams weiter, praktisch ungehindert, an der Umsetzung der Entwicklungsroadmap arbeiten. So erfolgte Mitten in der Krise der umfassendste Release der Unternehmensgeschichte.

Unser Vertriebsteam war aber stark betroffen. Trotz Digitalisierung setzen wir generell auf persönlichen Kontakt und besuchen unsere (potentiellen) Kunden vor Ort. Diese Tätigkeit wurde eingestellt.

2. Welche Massnahmen (technische, organisatorische, kundenspezifische) wurden in Ihrem Unternehmen ergriffen? Welche Tipps können Sie anderen aufgrund der damit gemachten Erfahrungen geben?

Die technischen Voraussetzungen für standortunabhängiges Arbeiten waren bereits vor Sars-Cov-2 gegeben. Wir setzten schon länger auf Internettelefonie, Cloud-Speicher sowie webbasierte Kommunikations- und Arbeitstools. Wir haben daher auf den kompletten Home Office-Modus umgestellt und können so sicherstellen, dass der Kundendienst gewährleistet ist und dass das Team gleichzeitig und effizient arbeiten kann. 

Das Chat- und Videotool erleichtert auch die Organisation. Alle Mitarbeitenden sind so jederzeit miteinander vernetzt. Die Kundentermine haben wir, sofern möglich, digital durchgeführt. Physische Meetings fanden keine mehr statt.

3. Welche Herangehensweise hatten Sie? Haben Sie z. B. in unterschiedlichen Szenarien oder Zeithorizonten gedacht? Welche Informationsquellen oder methodischen Ansätze haben Sie gewählt?

Da der Zeithorizont unklar war, haben wir in Eskalationsstufen gedacht. Wir haben uns an den Vorgaben des Bundesrates und des BAG orientiert und diese basierend auf unserer Organisationstruktur, den Möglichkeiten des Teams und auch anhand der Infrastruktur für uns «übersetzt».

4. Was würden Sie heute mit Rückblick auf die letzten Wochen anders machen? Welche Erkenntnisse können Sie bereits jetzt daraus ziehen?

Die meisten Entscheide würden wir wohl wieder gleich oder sehr ähnlich treffen. Optimierungspotential gibt es aber immer. Wir hatten das Glück, technisch gut vorbereitet gewesen zu sein und ein Team zu haben, das die Affinität für diese Arbeitsweise mitbringt. Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen bedanken.

5. Wo liegen für Sie nun die grössten Herausforderungen respektive Bedrohungen in der aktuellen Situation? Wie gehen Sie mit diesen um?

Wir hoffen sehr, dass unsere Kunden – zu einem wesentlichen Teil Immobilienmakler – schnellstmöglich wieder in eine Art Normalbetrieb gehen können. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die Menschen wieder vermehrt Lust und auch die Möglichkeit haben, eine Immobilientransaktion in Angriff zu nehmen, sei es auf Käufer- oder Verkäuferseite. Letztendlich ist also die Unsicherheit der Bevölkerung die grösste Herausforderung.

6. Gibt es positive Aspekte, die Sie dieser Krise abgewinnen können? Welche Chancen ergeben sich?

Jede Krise eröffnet Chancen und kann ungeahnte Kräfte freisetzen. Man ist gezwungen, neue Wege zu beschreiten. So konnten wir in Zusammenarbeit mit einem Partner in sehr kurzer Zeit ein neues digitales Produkt entwickeln und auf den Markt bringen, um die Wahrnehmung des Kunden als Innovationstreiber zu stärken.

Generell erwarte ich, dass diese Phase zu einer nachhaltig erhöhten Online-Affinität führt.

7. Reisen wir in die Vergangenheit vor der Krise – Welche Tipps würden Sie sich aus heutiger Sicht selbst geben?

Man sollte auch in normalen Zeit die Herangehensweise regelmässig kritisch hinterfragen. Vielleicht liegen die grössten Chancen ausserhalb der Box.

8. Reisen wir in die Zukunft und denken wir uns in den April 2021 – Was wird sich durch diese Krise nachhaltig verändert haben?

Die Krise wird die Digitalisierung in Branchen, in denen sie möglich ist, nachhaltig beschleunigen. Die Phase bringt sehr deutlich ans Tageslicht, was sich digitalisieren lässt und was nicht. Bereiche, die nicht digitalisierbar sind, leiden jetzt sehr, werden sich aber wieder erholen. In Branchen, die digitalisierbar sind, wird eine Verlagerung stattfinden. Und dann gibt es noch Fälle dazwischen. Ich erwarte, dass für Letztere zunehmend neue Lösungen entstehen, die den wichtigen persönlichen Kontakt mit der Digitalisierung kombinieren.

9. Wie bereiten Sie sich aktuell auf die Zeit nach Corona vor? Gibt es Massnahmen, die Sie aktuell schon ergreifen?

Selbstverständlich überlegen auch wir uns, in welchen Schritten die Organisation zum Normalbetrieb zurückgeführt werden kann. Dies bedarf einiger Anpassungen, z.B. im Office-Layout, um die Abstände wahren zu können.

Herzlichen Dank, Patrick Schmid, für die interessanten Einblicke!

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