Archilyse fragt: Wie kann die Immobilienbranche Sars-Cov-2 die Stirn bieten?

Interview mit Dr. Peter Staub, Gründer und Geschäftsführer von pom+

In unserem heutigen Interview freuen wir uns, Peter Staub, Gründer und CEO von pom+, vorstellen zu dürfen. Mit seinem Unternehmen evaluiert er aktuelle Trends und Technologien und entwickelt neue Geschäftsmodelle für die Immobilienbranche. Er teilt seine Erfahrungen, wie er und sein Unternehmen mit der aktuellen Situation umgehen.

Die Interviewreihe „Standing up to Sars-Cov-2“ stellt regelmässig Persönlichkeiten aus der Immobilienbranche vor. Wir möchten damit den Austausch im Immobilienbereich fördern und alle Akteure ermutigen, in dieser herausfordernden Zeit stark zu bleiben.

1. Auf welche Weise waren und sind Sie als Unternehmen vom Sars-Cov-2 Ausbruch am stärksten betroffen (Auftragsrückgang, Einstellung des Betriebs etc.)?

Wir können unseren Betrieb zum Glück relativ gut weiterführen, obwohl wir wie die meisten vom Auftragsrückgang betroffen sind. So erleben wir aktuell Verzögerungen in verschiedenen Projekten, da Aufträge zurzeit häufig pausiert oder gestoppt werden. Ausserdem spüren wir zurzeit eine grosse Zurückhaltung auf Kundenseite, was künftige Ausgaben angeht. Wir rechnen damit, dass dies auch weiterhin so bleiben wird, bis die wirtschaftlichen Konsequenzen von Covid-19 besser abschätzbar sind.

2. Welche Massnahmen (technische, organisatorische, kundenspezifische) wurden in Ihrem Unternehmen ergriffen? Welche Tipps können Sie anderen aufgrund der damit gemachten Erfahrungen geben?

Wir sind es uns gewohnt, Zuhause und von unterwegs zu arbeiten, nutzen schon seit einiger Zeit Cloud-Systemen und haben die Digitalisierung des Unternehmens schon lange vor der Coronakrise zur Priorität erhoben. Diese Bemühungen zahlen sich jetzt aus: innerhalb von 24 Stunden haben wir alle 86 Arbeitsplätze ins Homeoffice verlegt, die Telefonsysteme geregelt und sämtliche Austauschmeetings online organisiert. Unser Ziel war, dass unsere Kunden zu keiner Zeit einen Unterschied bemerken in der Art und Weise wie wir arbeiten – bis auf den Umstand, dass unsere Besprechungen und Workshops nun virtuell stattfinden. Sofern diese technische «Grundversorgung» gewährleistet ist, betrachte ich Leadership gerade in diesen Zeiten als oberstes Gebot. Wir haben in unserem Intranet eine Seite für Neuigkeiten zum Corona-Virus eingerichtet, tauschen uns wöchentlich persönlich im Leadership Board aus und informieren die Mitarbeitenden jeden Freitag über neue Massnahmen oder Änderungen. Ausserdem haben wir auch einen virtuellen CEO-Talk abgehalten und besprochen, wie es uns persönlich geht und wie sich unser Leben seit dem Lockdown verändert hat.

3. Welche Herangehensweise hatten Sie? Haben Sie z. B. in unterschiedlichen Szenarien oder Zeithorizonten gedacht? Welche Informationsquellen oder methodischen Ansätze haben Sie gewählt?

Wir verlassen uns auf die offiziellen Informationen des BAG. So denken und planen wir momentan in den drei vom Bundesrat erwähnten Zeithorizonten: Bis Ende April wird die Auslastung unserer Mitarbeitenden weiterhin sehr unterschiedlich sein, die Auftragslage dürfte sich nicht erholen. Bis Ende Mai fokussieren wir auf die Wiederaufnahme unserer Kundenkontakte und erwarten eine verstärkte Marktaktivität. Bis Ende Juni rechne ich mehr oder weniger mit einem Normalbetrieb, wenn auch zwischenmenschliche Unsicherheiten weiterhin bestehen bleiben und uns diese Krise noch lange Zeit begleiten wird.

4. Was würden Sie heute mit Rückblick auf die letzten Wochen anders machen? Welche Erkenntnisse können Sie bereits jetzt daraus ziehen?

Ich bin sehr zufrieden mit der Vorgehensweise unseres Krisenstabs. Das Feedback der Mitarbeitenden und Kunden ist bisher durchgehend positiv und ich freue mich, dass der Spirit im Unternehmen unverändert hoch ist. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass die Umstellung auf die rein virtuelle Arbeitsumgebung in der Zusammenarbeit mit Kunden dann am unkompliziertesten verläuft, wenn bereits eine Vertrauensbasis besteht. Es bestätigt mir einmal mehr, dass man seinen Auftraggebern und Kundenbeziehungen Sorge tragen und dem persönlichen Austausch einen grossen Stellenwert einräumen muss.

5. Wo liegen für Sie nun die grössten Herausforderungen respektive Bedrohungen in der aktuellen Situation? Wie gehen Sie mit diesen um?

Wie bei allen KMU ist die Sicherstellung der Liquidität aktuell die wichtigste Aufgabe für uns. Die Akquisition gestaltet sich als sehr schwierig und dürfte es auch noch eine Weile bleiben. Die grösste Herausforderung sehe ich in der weltweiten Unsicherheit… Gibt es eine zweite Welle? Müssen wir mit einem weiteren Lockdown rechnen? Wie schnell wird sich die Weltwirtschaft erholen? Aktuell können wir nur Prognosen wagen und abwarten.

6. Gibt es positive Aspekte, die Sie dieser Krise abgewinnen können? Welche Chancen ergeben sich?

Beruflich wie privat erlebe ich ein emotionales Zusammenrücken. Persönliche Beziehungen werden wieder wichtiger, wir erkundigen uns auch im Berufsalltag häufiger, wie es uns geht. Ausserdem ist die Krise ein riesengrosser Katalysator für die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft – sie ist nun keine Frage des Wollens mehr, sondern unabdingbar für das Überleben aller Unternehmen.

7. Reisen wir in die Vergangenheit vor der Krise – Welche Tipps würden Sie sich aus heutiger Sicht selbst geben?

Anfang April findet jeweils unser Kundenevent im Kaufleuten Zürich statt – ein echtes Highlight in unserem Kalenderjahr. Es hat uns sehr geschmerzt, den Event absagen zu müssen. Ich Nachhinein betrachtet würde ich die Entscheidung früher fällen und mir so einige schlaflose Nächte ersparen.

8. Reisen wir in die Zukunft und denken wir uns in den April 2021 – Was wird sich durch diese Krise nachhaltig verändert haben?

Ich erwarte eine gesellschaftspolitische Diskussion über die Systemrelevanz der Gesundheitsbetriebe und damit verbunden ein Auftrieb von Health-Tech-Lösungen und neuen technologischen Ansätzen für Oberflächen und Materialien. Mit Sicht auf die Immobilienbranche rechne ich damit, dass aufgrund der anhaltenden Hygienemassnahmen dem Infrastruktur- und Betriebsmanagement künftig eine neue Bedeutung zukommt. Weiterhin ist es denkbar, dass die Themen Flächennutzung und Raumplanung künftig vermehrt in den Fokus rücken, nachdem wir nun viele Wochen in unseren eigenen vier Räumen verbracht haben.

9. Wie bereiten Sie sich aktuell auf die Zeit nach Corona vor? Gibt es Massnahmen, die Sie aktuell schon ergreifen?

Ganz nach dem Motto von Winston Churchill wollen wir diese Krise nicht verschwenden. Wir beschäftigen uns naturgemäss mit den Trends und Konsequenzen, die sich aus dieser Krise für die Immobilienbranche ergeben und versuchen, die Veränderungen im Markt zu antizipieren, um unsere Kunden bei deren Bewältigung bestmöglich zu unterstützen.

Herzlichen Dank, Peter Staub, für das interessante Interview!

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